Mein erstes musikalisches Abenteuer mit Schulfreunden anno 1976 benannte ich nach einem Album der Hollies: ROMANY
Das Rockvirus "infizierte" mich nach meiner Erinnerung so um 1972/'73 herum. Schuld daran waren alle die tollen Platten die mein Bruder anschleppte. Rolling Stones, Deep Purple, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Black Sabbath, CCR, Kinks, Jode, Birth Control. Die Beatles hatte ich bereits entdeckt, stand auf Slade und die Les Humphries Singers fand ich gar nicht mal so schlecht. Es dauerte nicht lange und ich begann auf Bruders Gitarre, seinem Sound-City-Amp sowie der dazugehörige riesigen Brüllbox den Aufstand und natürlich auch erste Griffe zu proben. Hauptsache das war laut... brutal laut... meinte jedenfalls meine Mom...
Ungefähr 1976 mündete diese Musikalität in einer ersten
Schülerband: ROMANY.Auf
ungefähr zwei Konzerte in der Hittnauer Turnhalle und mindestens einen
Auftritt (auf Einladung des Pfarrers) in der Dorfkirche brachten wir
es. Auf dem Programm standen dazumals Covers von CCR, Donovan Leitch
& Co. sowie erste eigene Kreationen. Einer meiner ersten Songs
hiess "She's So Nice", ein Bluesrock-Teil, die Nummer kam immer recht
gut an. Immerhin, auf sowas konnte man schon recht stolz sein...
Die erste Romany-Formation bestand glaube ich aus mir, den Kumpels Phil
Hiestand (voc/bass), Dagomar "Dee" Binggeli (git/voc), Drummer Bruno
Sprecher (Mr. Speaker). Zweitweise gehörte auch Gitarrist Thierry Borel
der Truppe an. Ich stieg dann aus (weshalb weiss ich echt nicht mehr),
aber Phil und Mr. Speaker machten mit Keef Schmuki (git, zuvor bei TEE
MAC UNITED) und dem Teufelsgeiger/Saitenzauberer Vlado Hagara weiter. Die
wurden dann ein richtig heisser Act...
Die nächste Station waren dann eine kuriose Unternehmung mit
einer Bassistin namens Yvonne Rüegg. Ihre Schwester (...I forget her
name...) bediente eine grauslige Schummerfarfisarorgel. Dee war da auch mit dabei,
Jeremias hockte hinter den Drums. Ein Gig nur mit Thierry der für den
erkrankten Dee einsprang und ich suchte das Weite. Yvonne
veröffentlichte danach mit neuen Mitmusikern eine Single bei
Activ-Records. Der national bekannte DJ Francois Mürner spielte die
dann immer in seiner Weihnachtssendung "Die schlechtesten Platten aller
Zeiten"...
CITY LIGHTS hiess dann mein nächstes Abenteuer, diesmal
in der
Nachbargemeinde Bäretswil. Daniel Zancchi spielte Bass, ich immer noch
Gitarre, Marcel Künzler (git, beliefert heutzutage die Schweiz mit
KTMs) war auch mit von der Partie. An den Trommler kann ich mich nur
noch schwach erinnern, der fehlte meistens bei den Proben. Wir
schafften uns bei Musik Baur eine Emthree-Gesangsanlage (mit den blöden
Hallbändern welche dauernd kaputt gingen) an die wir mittels
Motorrad ins Probelokal verfrachteten. Jean-Claude
"JC" Bär lernte ich kennen als er ab und zu vorbeischaute um uns mit
der Bluesharp zu begleiten. Er war es auch der erste Zweispuraufnahmen
anfertigte. Wir bastelten mehrheitlich eigene Songs, "House Of The
Rising Sun" wurde ad akta gelegt. So richtige Rockstars waren wir aber noch immer nicht geworden, Auftritte hatten wir keine und dann lernte ich den ehemaligen TEA-Roadie und Guitarslinger Walter Majoleth kennen...
CHAPTER II
Railroad Company 1980: Mellow Erwin Süss "Mr. Unknown" Beat (?) Walter Majoleth
Railroad Company 1981: Walter Majoleth Mellow Erwin Süss Renault Suter
Erwin Süss Walter Majoleth Mellow, Railroad Live, Hotel Zentrum Winterthur
Railroad Company 1981: Walter Majoleth Erwin Süss Mellow Beat Bosshard
Walter Majoleth gehörte in der zweiten Hälfte der
70er zur Wetziker Rockband Railroad
Company.
Die waren regional bekannt und hatten es für einen Gig sogar mal bis in
den Basler Fairytale-Club geschafft. Da seine ehemaligen Mitstreiter
sich unter dem Namen BLACK CASTLE neu firmiert hatten, hegte er schon
bald mal den Wunsch seine "Eisenbahn-Gesellschaft" ebenfalls wieder an
den
Start zu bringen. In der Wetziker Kulturfabrik fand sich im Frühling
'79 ein Probelokal. Anfangs spielte ich da noch meine Flying-Gitarre,
allerdings meilenweit entfernt von Walts Saitenkunst. Dani Zancchi war
der Bassist, René Walder trommelte. Schon bald verabschiedete sich
unser Bassmann und ich übernahm "vorübergehend" seinen Posten.
"Vorübergehend" dauerte dann ein klein wenig länger, genauer gesagt bin
ich nie mehr von diesem Instrument losgekommen. Durch das Schreiben
eigener Songs wuchsen Walter und ich ziemlich schnell zu einem
Songwritergespann zusammen. Ich kümmerte mich normalerweise um die
Texte, mein Partner um die Musik und das funktionierte erstaunlich gut.
Mit der Company harzte es aber und als wir den Gitarristen und Sänger
Erwin Süss kennenlernten, nisteten wir uns bei ihm in Dinhard in einem
Bauernhaus ein. Das von Blues und Rock geprägte Repertoire nahm schnell
Gestalt an, einzigst die Position des Schlagzeugers bereitet uns
"Dauersorgen". Wer da anfangs alles die Felle bearbeitet hat kann ich
im Nachhinein nicht mehr so ganz genau sagen, aber Beat unser Techniker
am
Mischpult spielte immer wieder Ersatzmann wenn der Posten gerade wieder
mal
vakant war. Renault Suter hiess dann der Kerl der die Stöcke nach
unserem Geschmack wirbeln konnte, unglaublich mit welcher Power er zu
Werke ging. Andy Rüedi (ein baumlanger Bündner) war gleichzeitig
der zweite Drummer der unsere Setlist kannte und er sprang jeweils ein
wenn
Trommler No. 1 verhindert war. 1981 konnten wir endlich raus und erste
Konzerte geben: Premiere war in Bäretswil, ein Gig zusammen mit BLACK
CASTLE. Im Hotel Zentrum in Winterthur folgte ein weiterer Auftritt,
hier wurden wir von Dilly Dillschneiders HIGH VOLTAGE
supportet. Weitere Konzerte spielten wir in Jugendhäusern,
Quartierkneipen, am Albanifest sowie an einem Open Air in Wald. Und
dann... tja... und dann standen wir plötzlich wieder ohne Schlagwerker
da... verrückt, dabei war es doch so gut angelaufen, aber Renault
folgte definitiv dem Ruf der Liebe in die finnischen Wälder...
Renaults Nachfolger hiess Beat Bosshard. Mittlerweile hatte uns ein
Management (Sigi Burbaki) aufgegabelt und wollte uns ins Tonstudio
verfrachten. Die Chemie bei Railroad Company stimmte aber nicht
mehr und so entschlossen sich Walt und "Mellow Yellow" (mein
Künstlername), zusammen mit Sergio Kunz (Drums) nach
Oberehrendingen
ins "Platinum One"-Tonstudio zu fahren um die geplante Platte als Trio
einzuspielen. Singles waren zu der Phase ein beliebtes Werbemittel, wer
eine Single gemacht hatte der kriegte auch Auftritte, konnte sich
jedenfalls bewerben. Luck Rohr's Metallkapelle ECHO VOM ESCHENBERG
produzierte gleichzeitig mit uns eine Kurzrille. Für meine Kumpels von
RED RIDING HOOD hatte ich beim Cover mitgewerkelt und der Gassenhauer
"Johnny Schüch" von CLIPS war in der Region in jeder Discothek zu hören.
Wow... das waren zwei atemberaubende Tage - das war genau das was wir
gewollt hatten. KROKUS' "Metal Rendez-Vous" war hier entstanden und der
Krokus-Geist war noch in jedem Winkel zu spüren. Die Aufnahmen
verliefen erfolgreich und wir konnten die Veröffentlichung unserer
Single "Climax / Gate Of Maze" im Frühjahr '82 kaum erwarten. Im Hotel
Winterthur feierten wir Plattentaufe, am darauffolgenden Tag hatten wir
keinen Manager mehr, kurzfristig abgehauen nach Fernost. Naja, die
Präsentation von Sigis neuem Pferd im Stall wurde zu einem Fiasko weil
sich das "Management" an diesem Anlass vor versammelter Presse so
ziemlich daneben benommen hatte, keine weiteren Details meinerseits. In
"Pop" erhielten wir für die Single die Kritik "Schnee von gestern". Die
hatten gar nichts begriffen, genau so sollte die Platte doch klingen...
nach UFO und BUDGIE und MONTROSE... aber es war eben die Zeit des
allgegenwärtigen New Wave und da zählte ursprünglicher Rock nicht mehr.
Da hatten wir nun also eine richtige Schallplatte im Gepäck und
irgendwie musste es weitergehen. Sergio packte nach den Erfahrungen mit
dem "Management" die Koffer und Walter und Mellow stellten wie schon so
oft eine neue "Railroad" zusammen. Für den Schiessbudenposten konnte
ich meinen Kumpel Mike Steinert (Ex PATHFINDER, später CAPTAIN'S CREW)
gewinnen, Keyboards bediente fortan Rafael Wagner, Roadie und
Tontechniker war Thomas Wittausch. Unser neues Domizil fanden wir im
Keller einer alten Fabrik in Winterthur Seen. Anfang '83 spielten wir
in dieser Besetzung in der Aula Rychenberg. Kurz drauf kam uns der
Tastenmann abhanden und wir versuchten es ein letztes Mal mit einem
"Neuen": Chris Bibassis spielte neben Walter die zweite Gitarre.
Weshalb sich dann "Railroad" auflösten ist mir bis heute ein Rätsel.
Vielleicht hatten wir die Nase voll von den ewigen Wechseln in der
Band. Vielleicht war auch die PA schuld, die verlangte dauernd nach
neuen, kostspieligen Hochtönern...
Railroad Company "Live", 1981
Mellow im "Platinum One"
Railroad Company 1982: Mellow Mike Steinert Rafael Wagner Walter Majoleth