Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.
Joseph von Eichendorff
Music in a word? Musik und Poesie? Das passt nicht zusammen? Hmmmh... also ich meine das geht. Eichendorffs Gedicht ist so etwas wie mein Wahlspruch. Stimmungen die man durchs Ohr aufimmt werden vom menschlichen Geist verarbeitet und da liegt es nahe zu versuchen, die Eindrücke mittels Worten zu beschreiben. Ich liebe es solche literarische Gedankengebilde/Luftschlösser zu errichten und mache das auch häufig. Normalerweise landen meine Beschreibungen in Gunter Eichels Rockzirkus im Cyberspace, einem wohl behüteten Platz an welchem sich Gleichgesinnte treffen die sich zum Ziel gesetzt haben, gute und ehrliche Musik zu verwalten und der Nachwelt zu erhalten.
Hier also ein paar Muster meiner manchmal etwas abdriftenden schreiberischen Gehversuche:
AIR - Moon Safari (1998, CD) Mellow, Dezember 2003, veröffentlicht im Rockzirkus.
Es ist Nacht.
Eine klare, kalte Vollmondnacht.
Mein Blick wandert zum Erdtrabanten und zu den Sternen die wie kostbare Perlen funkeln. Meine Gedanken schweifen jedoch viel weiter, weiter bis ans Ende des Universums...
Eine Sternschnuppe zieht vorbei, verschwindet so schnell wie sie aufgetaucht ist am Horizont. "Hallo Sternschnuppe..." flüstere ich, "...woher kommst du, wohin gehst du?" Sie weiss es wohl selbst nicht, ist ein Spielball der kosmischen Mächte. Genauso fühle ich mich manchmal auch. Aber dieses kurze Aufleuchten am Nachthimmel verwandelt mich. Lässt mich die Tristesse der Vergangenheit und der Gegenwart vergessen. Lässt die Zukunft hell erstrahlen. Es ist als hätte dieser kosmische Schweif einen Augenblick lang meine Seele gestreift. Und wirbelte nun mein ganzes Inneres durcheinander.
Unglaublich - ich habe dieser wunderschönen Sternschnuppe nur ganz kurz ins Antlitz geschaut. Es hat gereicht um mich zu verzaubern...
Es ist Nacht.
Eine klare, kalte Vollmondnacht.
Die Blaue Rose in der Vase auf dem Tisch meines Observatoriums beginnt im Mondlicht zu glitzern. Als hätte sie jemand mit Sternenstaub überzogen...
Okay - ich geb's ja zu:
Uncle Mellow ist 'mal wieder völlig abgehoben...oderwieoderweroderwas... hat aber alles seinen Grund...
...denn ich weiss, irgendjemand da draussen versteht diese kleine Geschichte...
"Moon Safari", das 98er-Album der französischen Band AIR ist ein
phantastischer akkustischer Trip in eine andere Welt. Oder wenn
Space-Sounds auf Easy Listening treffen und wenn die dann zusammen über
die Popgeschichte der letzten dreissig Jahre sinnieren. Dabei entsteht
dann wohl solch traumtänzerisch leichte Musik!
Für die Aufnahmen wurden von J.-B. Dunckel und N. Godin diverse
altertümliche Keyboards wie Moog und Mellotron aus der Mottenkiste
ausgebuddelt und reaktiviert.
Die zauberhafte Stimme bei "All You Need" und "You Make It Easy" stammt von einer mir unbekannten Beth Hirsch.
Well - das ist der ultimative Soundtrack bei welchem man sich in den
zum Raumschiff umgemodelten VW-Bus setzt und eine Spritztour zum Mond
macht...
men from s.p.e.c.t.r.e. - Sugartown (CD, 2002) Mellow, März 2004, veröffentlicht im Rockzirkus.
Das leise Surren eines Kamera-Motors.
Ein Biene fliegt in atemberaubender Geschwindigkeit vorbei. Vorbei an
einem Ficus-Bäumchen und einem Spathiphyllum welche diesem umtriebigen
Wesen so gross wie Riesenbäume aus einer vergangenen Epoche der
Erdgeschichte erscheinen müssen. In einem kleinen Fernseher läuft eine
alte Folge von "The Avengers". Uninteressant für ein solch
arbeitswütiges Insekt welches auf der Suche nach Nektar ist. Doch da,
eine Orchidee, eine Blüte von atemberaubender Schönheit. Das Insekt
landet, tastet sich zielstrebig zum Zentrum des begehrten Objektes vor.
Das Objektiv zoomt scheinbar gemütlich auf der Verfolgung des Sujets
näher, noch näher, ganz nah, bis in den Makrobereich... klick... klick.
Die Farbtöne zerfliessen, werden unwirklich, werden zu einem
psychedelischen Farbenmeer... klick. Das Insekt jedoch gewinnt
zunehmend an Grösse, wird zu einem riesenhaften Alien, bewegt sich
roboterhaft und trunken von dem begehrten Saft in ganz anderem Rhythmus
als die verschlafen wirkende Umgebung. Welch phantastische Welt sich da
den schelmisch beobachtenden Augen hinter dem Objektiv eröffnet. Zeit
und Raum scheinen zu verschmelzen. Doch urplötzlich wird die idyllische
Stille von verrückten ohrenbetäubenden Klangmustern zerrissen. Aus
gewaltigen blau schimmernden Lautsprecherboxen der Marke Campagna-3-pro
ertönt ein Kreischen welches wohl von einem monströsen Untier herrühren
muss. Doch gar seltsam, dieses Geräusch schmerzt nicht, denn das
menschliche Ohr erkennt das Kreischen und Jaulen als wildes Geraspel
auf einer Gitarre. Vielmehr scheinen diese elektrifizierten Schreie in
der pulsierenden Wärme und der leichtfüssig auf einer Hammond
gespielten Melodie, zu versinken, eingebettet zu werden. Die
Orchideenblüte beginnt unter den Wellen der Trommelattacken und des
wabernden Basses zu vibrieren. Das Insekt regt sich... klick... fühlt
sich gestört bei seinem Tun...klickklickklick. Es begibt sich in
Startposition... klick... und schon wird es von diesem Sturmgewitter
aus psychedelischen Klangfetzen, infernalischem Donnern und noch immer
verfolgt von der mechanischen Linse fortgeblasen durch eine offene Tür.
Die Bienenjägerin wiegt ihre Kamera professionell und geschickt in den
kleinen, zarten Händen und ihr Blick folgt dem entschwindenden Insekt
bis es nur noch ein kleiner schwarzer Punkt in freier Natur ist.
It's a SONY.
Ein braves, gutes Maschinchen, genauso fleissig wie die Biene von vorhin.
It's a Sony MVC-FD75 Mavica.
Ein Wunderwerk der Technologie des 20. Jahrhunderts.
Speichert auf handelsübliche HD-Diskettchen.
Das Insekt derweil lässt sich kurz auf einem alten roten Toyota nieder
um eine Pause einzulegen, und um festzustellen, dass die Lackierung für
seine Zwecke völlig ungeeignet ist. Aus der Ferne vernimmt es noch
immer diese verrückte Orgel, nun jedoch eine leichte, süsse Weise
spielend... der Orkan scheint vorüber. Am wolkenlosen Himmel ziehen
riesige feuerspeiende Drachen vorbei und ein kleiner bunter
Schmetterling (Papilio Machaon) tänzelt in unkalkulierbarem Flug durch
den blühenden Garten... klick...klick...
Durchgeknallt ist nicht nur mein vorangehender Text, nein, men from s.p.e.c.t.r.e sind es auch, denn wer wagt es heutzutage noch sich an Easy Listening/Psych-Rock der zweiten Hälfte der 60er zu vergreifen? Wenige würd' ich sagen, sehr wenige. Aber die meisten die's tun, die machen es mit einer Riesenfreude, gehen auf den grossen Farbentrip und schnüffeln mit einer Riesenbegeisterung in den Memorabilia dieser ausgeflippten Dekade. men from s.p.e.c.t.r.e werfen in uvergleichlicher Art und Weise die Hammondorgel an, verzichten auf Gesang, lassen die Instrumente schrammeln und zaubern unvergleichlich süsse Melodien aus dem Aermel. Genial geradezu wie sie sich beispielsweise Madonnas "Beautiful Stranger" unter den Nagel reissen und den Song einer regelrechten Gehirnwäsche unterziehen. Die gestreiften Tapeten rollen sich da förmlich die Wände hoch und die Afri Cola im Glas beginnt zu kochen...